USA Tournee- Frühling 2004 Das Abenteuer begann mit dem Abflug von Frankfurt nach Boston, am 25.02.04. Rik Palieri hatte einige Konzerte in Vermont organisiert, so in Montpellier, der Hauptstadt. Bild links: "Balloonadventure- a musical Journey around the World", die englische Version der "Ballonfahrt- eine musikalische Weltreise" hatten wir als CD im Gepäck und kam auch als Live- Programm bei den Kindern sehr gut an. Bild Mitte: Das Banjo kaufte ich in Burlington. Den Lehrer, einen sehr guten sogar, hatte ich ja auf der ganzen Tour dabei. Bild rechts: Der bekannte Bluessänger Guy Davis aus New York war in Vermont unterwegs. Rik machte mit ihm eine TV- Show für seine Sendung "Songwriters Notebook". Am Abend musizierten wir zusammen in Rik's Haus.
Nach ersten Konzerten in Vermont fuhren wir nach Beacon/ NY, an den Hudson River. Bild links/ Bild Mitte: Wir waren zu Pete Seeger eingeladen, dem großen Zauberer der amerikanischen Folkmusik. Mein Gastgeber, Rik Palieri hat schon fast 30 Jahre Kontakt mit ihm. Er erzählte von den ersten schüchternen Begegnungen und wie daraus eine Freundschaft geworden ist. Nach einem Besuch in Pete Seegers Haus fuhren wir zum Sloop- Club am Hudson River und halfen bei den Vorbereitungen für das Abendprogramm des Segel Clubs, immer beobachtet von den Kameras des Dokumentarfilmers Jim Brown, der ein Portrait über Pete Seeger filmte. Pete wurde beim Anzünden des Kamins, beim Vorbereiten des Büffets, beim Begrüßen des Gäste gefilmt. Mit anderen Musikern begannen wir zu musizieren. Pete setzte sich zu uns. Rik und ich sangen "Where have all the flowers gone" (Sag mir wo die Blumen sind) in deutsch und englisch. Das war ein "gefundenes Fressen" für die Kameras. Pete war beeindruckt, seine Augen glänzten. Später sagte er in einem Interview, dass er sich wünscht, dass die jüngere Generation nicht alles dem Geldverdienen unterordnet, sondern erkennt, dass es viel wichtiger ist anderen Menschen Freude zu machen. Nach einem informellen Teil des Vereins begann der musikalische Teil und wir sangen Folksongs. Der Kameramann sprang in der Runde herum und holte sich seine "shots". Dann sang Pete einen "Sloop Club" Song, mit der Melodie des Weihnachtsliedes "Es ist ein Ros entsprungen". Gegen 9 Uhr war die Show vorbei, die Leute gingen. Das Filmteam packte zusammen. Ich glaube, dass das ein historischer Abend war und ein wichtiges Highlight auf dieser 4000 Meilen- Tour. Mir wurde bewusst, dass es manchmal Dinge gibt, die unwiederbringlich sind. Bild rechts: Die größte Gitarre der Welt, die ein Museum enthält. Links im Bild der Truck mit Camper, der für diese Wochen unser Haus war.
Über die Catskill und Smocky- Mountains gelangten wir in die Musikstadt Nashville. Bild links und Mitte: Unser erstes Ziel war das legendäre Bluebird- Café. Dort fand eine Songwriter- Nacht statt. Eine lange Schlange von Sängern sammelte sich vor dem Café. Als die Tür geöffnet wurde, gingen wir hinein, schrieben unsere Namen auf bereitliegende Zettel. 64 Sänger schrieben sich ein, nur 20 werden singen dürfen. Nur ein Lied. Alle warten gespannt. In diesem Café wurde schon mancher zum Superstar. Mal sehen ob es klappt. Um mich herum hoffnungsvolle Gesichter. Dann werden die Namen verlesen. Ich bin die Nummer Sieben. Vielleicht hat genützt, dass ich "Germany" auf den Zettel geschrieben habe. Ich singe den "Cell Phone Killer" (Handykiller). Die Leute sind begeistert und klatschen während des Liedes. Bild rechts: Die alten Gebäude fand ich interessanter als die Hochhäuser. Links das langgezogene Backsteingebäude ist die Old Opry, der Konzertsaal, von dem aus Countrykonzerte gesendet wurden, mit starkem Signal, bis New York waren die Sendungen zu hören. Die Musiker kamen aus den Appalachen. Und die Zuhörer kamen dann aus der ganzen Nation. Aus den Radiostars wurden Plattenstars und später Fernsehstars. Es sammelte sich eine ganze Industrie um das Zentrum der Stadt. Die 16. Avenue ist eine Straße, in der sich die Häuser der Musikproduktionsfirmen aneinander reihen. Dank Internet und MP3 müssen aber viele Firmen schließen und die Songwriter verlieren ihre Arbeit. Nur die großen Firmen haben genügend Geld um ihr Profil der neuen Entwicklung schnell anzupassen.
Wir besuchten "Manuel", den Star- Designer, den Designer der Stars. Es gibt kaum einen berühmten Künstler in Nashville, der nicht von Manuel eingekleidet wurde. Bild links: Rik zog ein Flaggen- Jackett an, Susan, eine Songwriterin mit vielen Top Ten- Hits, ein feuerrotes. Rik nahm mit Manuel ein TV- Interview für seine Sendung: "Songwriters- Notebook" auf. Und Manuel hat zum Thema Bühnenpräsenz, Image, Kleidung wirklich etwas zu sagen. Bild Mitte: Manuel und Wilfried Mengs. Nach 3 Tagen in Nashville rief wieder Straße. Durch Gespräche mit Songwritern, Mitarbeitern der Musikwirtschaft und vielen anderen, hatten wir viel über das Musikbusiness in Nashville gelernt. Als wir die "Stadt der gebrochenen Herzen" verließen, hörten wir den Song "16th Avenue", gesungen von Lacy J Dalton. Wir haben in dieser Zeit bei dem Songwriter Bruce Michael Miller und seiner Familie gewohnt. Bild rechts: Wir fuhren nach Memphis und von dort auf dem Highway 61- dem Blueshighway nach Süden, Richtung Baton Rouge, wo uns ein Radiointerview erwartete.
weiter unten Bild links: Wenn man auf dieser Straße fährt, dann sollte man Bluesmusik anhören. Die Sonne brennt, alles ist grell und verlangsamt, die Straße ist ein klebriges Band, Baumwollfelder, die sich von der Straße zum Mississippi hinziehen. In dieser Gegend wuchsen die Leute auf die den Blues spielten. Bild Mitte: Wir besuchten das Bluesmuseum in Clarkesdale. Bilder von den Plantagen, von der Produktion der Baumwolle. Lachende, schwarze Gesichter. Sklaven? Die traurige und auch fröhliche Bluesmusik hat so eine Tiefe, dass die Schwarzen nicht nur gelacht haben können. B. B. King´s Geschichte von seiner Gitarre "Lucille" wird hier berichtet. Er spielte in einem Club. In der Mitte des Raumes stand ein Ofen der den Raum heizte. B. B. King spielte für die Leute und zwei Männer begannen sich plötzlich zu prügeln. Einer stolperte gegen den Ofen, der umschlug und die Hütte in Sekunden in Brand setzte. Alle rannten nach draußen und plötzlich merkte B.B. King, dass er seine Gitarre vergessen hatte. Er stürzte in die Flammen und rettete sie gerade noch. Die beiden Männer waren wegen einer Frau in Streit geraten, die Lucille hieß. Damit ihm so etwas nicht noch einmal passiert, nannte er seine Gitarre nach dieser Frau. Bild rechts: Unser Ziel für diesen Abend war Baton Rouge. Dort wartete ein Folk- DJ namens Taylor Caffery auf uns. Wir hielten mit ihm telefonisch Kontakt und so war es leicht, die Public Radiostation zu finden. Wir wurden auf das herzlichste begrüßt und machten eine einstündige Show, die am folgenden Sonntagabend ausgestrahlt werden sollte. Da würden wir schon in Texas sein.
weiter unten Es war warm, obwohl die Sonne noch nicht aufgegangen war. Doch dann kam sie. Direkt vor uns erschien sie am Horizont. Es war sofort heller Tag. New Orleans hieß unser nächstes Ziel. Wir fuhren zur Küste um das French Quarter zu besuchen. Dieser alte Stadtteil stammt noch aus der Zeit, als Lousiana französische Kolonie war. Wenn man durch die bunten Straßen mit den einstöckigen Häusern geht und die filigrane Arbeit der Balkongeländer betrachtet, fühlt man sich nach Marseille oder Neapel versetzt. Die Leute sind fröhlich, man wird gefragt woher man kommt. Schon 9.00 Uhr sind viele Touristen unterwegs. Viele zieht es an einen bestimmten Ort. Und das ist das berühmte Café Dumont. Bild rechts: Dort isst man Banyas und trinkt Kaffee Olé. Ja, ja, Touristenrituale. Schon früh hört man Jazzmusik aus den Restaurants, Touristen stehen auf den Balkons der alten Hotels und beobachten das Treiben auf der Straße. Bild Mitte: Ein Schaufelraddampfer auf dem Mississippi.
Freitagnacht. Zeit eine Cajun- Tanzdiele zu suchen. Wir fuhren nach Mamou der Welthauptstadt der Cajun- Music. Doch wir fanden keine Livemusik. Bild links: Aus Fred´s Lounge in Mamou wurde Cajun- Musik gesendet und wurde berühmt. Bild Mitte: In der Public- Radio- Station der Künstlerstadt Marfa trafen wir Gary Victor. Er machte eine Show mit uns und am Montagabend ( Bild rechts) gingen wir dann zu einer Jam- Session mit anderen Musikern, die direkt in den Äther übertragen wurde.
Bild links: Schulkonzert in Presidio direkt an der mexikanischen Grenze. Auch hier ist die "Ballonfahrt" wieder ein Supercoup. Bild Mitte: "Home, home on the Ranch." Die Stille der Prärie. Bild rechts: Die Wandlungen der Landschaft während einer Fahrt sind kaum zu beschreiben. Wir fuhren über einen Hügel und es tat sich ein großes Tal auf. Wir fuhren durch dieses Tal, über den Pass und ein noch größeres Tal tat sich vor uns auf. Die Landschaft wurde immer faszinierender. Nackter Felsen und Sand, besprenkelt mit Büschen, canyon- artige Felswände, die Straße führt schnurgerade durch diese Weiten. Unbeschreiblich, wer hat die richtigen Worte für diese Landschaft?
Bild links: Neben dem ganzen Touristenjunk, konnte man in der Westernstadt Tombstone wirklich Überbleibsel einer vergangenen Zeit erkennen. Das Wetter war heiß. Wir polterten mit unseren Cowboystiefeln auf den Holzplanken der Bürgersteige durch die Stadt. Wir gingen zum Courthouse, dem Gerichtsgebäude. Aus Stein gebaut, liegt es einen Block außerhalb der Hauptstraße. Im Gebäude war ein Museum und eine Ausstellung zu Karl May. Die war für Rik sehr aufschlussreich. Er verstand das erste Mal richtig, woher unsere romantische Beziehung zur Cowboykultur kommt. Die Lebensgeschichte von May war dargestellt und die Charaktere, die er geschaffen hat. Bild Mitte/ Bild rechts: Phoenix- aus dem Sand erstanden, ca. 3 Millionen Einwohner, liegt in einem riesigen Tal.
Bild links: Full House im Theater der Glandale- Library. Wie immer kein Ablaufplan für das Konzert, aber viele Überraschungen und Spaß. Unser Folk- Mix und das Musizieren auf den verschiedenen Instrumenten brachte uns begeisterten Applaus und viele verkaufte CD's. Bild Mitte: Open Air- Banjoworkshop im Encanto Park. Dieser Park war der Austragungsort des 15. Phoenix Folk Tradition Festivals. Die Musikanten dort sind zum großen Teil auch Erforscher der Wurzeln der Folkmusik. Sie sind ständig auf der Suche nach "neuen", alten Liedern. Bild rechts: "Na schon wieder neue Ideen?" Bernd Häber und Wilfried Mengs, die Organisatoren der DAFT Tour (Deutsch- Amerikanisches Folksängertreffen), vor einem künstlichen See mit Insel im Encanto Park. "Jungs, geht doch mal ein paar Schritte zurück!" Das Ende der Tour ist erreicht. 4300 Meilen gefahren. 30 ereignisreiche Tage die mir viele neue Einsichten und Anregungen vermittelten.
Mein besonderer Dank gilt Rik Palieri (www.banjo.net) der diese Tour organisierte, mir ganz viele Hintergründe erklärte und mir seine Freundschaft schenkte und natürlich allen Freunden denen wir auf der Tour begegneten.
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